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Geschichte des Ortes und der Pfarrkirche
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Jede Generation hat ihre Helden

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde, der heutige Text des Evangeliums – ein Abschnitt aus der Bergpredigt - gehört sich zu den bekannteren Passagen aus der Bibel: Das Gebot der Feindesliebe.

Jesus geht hier in das Extrem: Wenn ich bedroht werde, soll ich nicht nur keinen Widerstand leisten, ich soll sogar noch darüber hinaus gehen: Die andere Backe hinhalten. Nicht nur den Rock geben, der gefordert wird, sondern auch noch den Mantel dazu. Nicht eine Meile gehen, sondern zwei. Freigiebig sein, wenn man gebeten wird. Eine zweite Meile gehen, wenn ich zur ersten gezwungen werde.

Dieses Bild der Gewaltlosigkeit begegnet uns als Ideal des Christentums. Wehrlos erleiden und erdulden – so wie Jesus gelitten hat. Und das auch noch radikal: Die Forderung, die Jesus an uns stellt, ist hart: Das Kennzeichen für Christen ist - Vollkommenheit. Denn man muss nicht an Gott glauben, auf Belohnung hoffen oder Strafe fürchten, damit man gute Werke tut – seinem Bruder geschwisterlich begegnen, das bekommt auch der Heide hin. Wir sollen mehr tun.

„Bin ich Jesus?“ ist deswegen einer der Sprüche, die einem entgegenkommen, wenn ums Teilen gebeten wird. Mit so einer defensiven Haltung – wie soll man da durchs Leben kommen? Wer sein Recht nicht verteidigt, wird entrechtet. Einfach nur gut sein, ist naiv. Der kommt zu nichts und dem bleibt nichts. Und wer will schon zu den Verlierern gehören? Das Gute braucht doch Kämpfer, um es durchzusetzen. Stärke, Kraft und Macht, um das Gute zu verteidigen, dem Bösen, dem Schurken nicht einfach kampflos das Feld überlassen.

Und dieses Bild tritt uns auch beim heutigen Predigttext entgegen: Der Predigttext für den heutigen Gottesdienst steht im Brief des Paulus an die Epheser im 6. Kapitel.

Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels.
Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.
Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt.
So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit und an den Beinen gestiefelt, bereit einzutreten für das Evangelium des Friedens.
Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.

Soweit der Epheserbrief. Die martialische Waffenrüstung ist irritierend. Der Kampf zwischen gut und böse sehr schwarz-weiß gemalt. Das wirkt weltfremd. Von Glaubenskämpfern haben wir wirklich genug Leid erfahren.

Paulus zeichnet hier den Gläubigen als römischen Legionär: Mit Helm und Panzer geschützt, der Gürtel hält die das Gewand oben, so dass der Soldat beweglich ist, die Stiefel sorgen für guten Stand. Der Schild als Abwehrwaffe, das zweischneidige Schwert als Angriffswaffe.

Ich gebe es zu, dieser Text hat mich von Anfang an fasziniert – gerade wegen seines kämpferischen, gewaltvollen Bildes. Ich darf wehrhaft sein – nicht nur das Opfer des Bösen, alles hinnehmend wie ein Schaf. Vielleicht ist das eher eine Jungensache: Jede Generation hat ihre Helden, die den Kampf gegen das übermächtige Böse führen. Allein aus den letzten 30 Jahren fallen mir eine Reihe von Filmen oder Büchern ein, die vor allem Jugendliche gefesselt haben: Von Star Wars (war früher auch mal als „Krieg der Sterne bekannt), die Highlander-Filme, das Epos um „Herr der Ringe“ und selbstverständlich auch „Harry Potter“. Ob Science-Fiction oder Fantasy – der Held tritt mit dem Schwert – der Zauberstab ist auch nichts anderes - zum Kampf gegen das Böse an. Und gewaltfrei läuft in keinem dieser Filme etwas ab. Aber man kann sich in die Helden – die Außenseiter, die Verfolgten, die Kleinen oder Jungen gut hineinversetzen.

Etwas Ähnliches passiert in den Rollenspielen, die es schon viel länger gibt als das Internet: Das Hineinschlüpfen in ganz verrückte Charaktere, um eine Mission zu erfüllen – die Rettung der Welt ist da immer nur der Einstieg.

Offensichtlich gibt es in unserer Welt, die so kompliziert ist, das Bedürfnis, auszubrechen, die einfache Lösung zu suchen. Normalerweise geht man ja auch aus dem Kino und weiß, dass das Leben draußen anderen Gesetzen folgt. Dieses Bedürfnis greift der Brief auf:

In den Zeilen davor schreibt Paulus ausführlich, wie das Leben der Christen untereinander sein soll - Von Respekt und Liebe getragen. Die Gemeinde in Ephesos ist aber wie alle Gemeinden in der ersten Zeit Gefahren und Verfolgung ausgesetzt. Es ist riskant, sich zur christlichen Gemeinde zu halten, nicht den Kaiser als Gott zu verehren. Ephesos ist zudem eine Stadt, die ihren Reichtum auch dem heidnischen Artemisheiligtum verdankt. Das Christentum ist da geradezu geschäftsschädigend. Genug Gründe, nicht offensiv aufzutreten.

Da tut der Gedanke an Wehrhaftigkeit und Stärke gut. Viel vertrauter als der Legionär ist ein anderes Bild: „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.“ – Gott ist meine Zuflucht. Bei ihm kann ich mich verstecken. Ich bin geschützt durch dicke Mauern. Nicht nur diese Kirche drückt durch ihren Bau diesen Schutz aus und hat ihn auch ganz handfest erfüllt. Wir können uns zu Gott flüchten wie die Küken unter die Flügel der Henne. Das eine ist Rückzug, einigeln, schützen. In einer Burg muss nicht jeder ein Kämpfer sein. Solange der Vorrat reicht, ist es erst einmal sicher.

Der gerüstete Kämpfer passt da einerseits gut zu diesem Bild. Sie kennen vielleicht den Waffensaal im Schloss Braunfels. Als Kind hat der mich schwer beeindruckt. Und in Südtirol gibt es die Rüstung eines Ritters, der um die 2 Meter groß war.

Die Burg schützt einfach alle, die in ihr sind. Die Rüstung dagegen ist individuell angepasst – direkt für mich, ganz persönlich. Der Gerüstete steht nicht nur zurückgezogen im Schutz einer Festung, sondern er kann auch hinausgehen. Er ist in der Lage, aktiv zu werden. Nicht nur Abwehr und Abwarten, sondern Handeln – er kann eine Änderung der Situation herbeiführen.

Das ist die Aufforderung an uns Christinnen und Christen bis heute: Geht raus in die Welt. Zeigt euch. Ein Gottesdienst oder eine persönliche Gebetszeit ist eine Zeit wie im Schutz einer Burg. Hier können wir ausruhen, den Helm abziehen. Hier brauchen wir keinen Schild. Das ist aber nicht der Normalfall.

Wir führen unser ganz normales Leben. Und in diesem Leben begegnet uns das Böse – mag es eine Krankheit sein, gegen die wir ankämpfen müssen. - mag es die Auseinandersetzung mit einem Kollegen oder einer Kollegin sein, die uns übel will; der Streit oder die Rangelei auf dem Schulhof.

Die Herren dieser Welt, die in der Finsternis herrschen, das sind auch die Strukturen und Zwänge einer Wirtschaftsform, die Menschen in die Sklaverei bringt, damit andere gut leben können – ohne dass wir das auf der Sonnenseite so wollen. Und abstellen können wir das auch nicht ohne weiteres.

Hier hat Jesus aber nicht verlangt, dass wir still leidend zuschauen. Sondern hier ist Handeln gefragt. Aber kein schutzloses Handeln ohne Hirn und Herz, sondern in der Waffenrüstung Gottes: Wenn wir den Panzer der Gerechtigkeit anziehen, müssen wir vorher den Panzer der Gleichgültigkeit ablegen. Um den Helm des Heils aufziehen zu können, müssen wir die Bretter unserer Vorurteile vor dem Kopf wegnehmen. Wenn wir uns im Dreck dieser Welt bewegen wollen, sind Gummistiefel des Evangeliums des Friedens hilfreich. Und wer das Wort Gottes in der Hand hält, hat keine Hand mehr frei für eine Waffe aus echtem Stahl.

Gott selbst will uns in unserem Alltag schützen – Auch das probiotische Joghurtgetränk „stärkt Abwehrkräfte“ nur bei täglicher Anwendung – ich hoffe, Sie haben die Werbung vor Augen.

Ist unser Jesus wirklich so duldsam? Auf die Macht des Ohnmächtigen hat Pfarrerin Müller (Florstadt) einmal hingewiesen: Im Evangelium von heute fordert Jesus seine Jüngerinnen und Jünger auf, sich nicht zu widersetzen, sondern die zweite Meile zu gehen. Gemeint ist damit das Recht eines Legionärs, einen beliebigen Passanten vom Straßenrand aufzugreifen. Dieser muss das Marschgepäck eine Meile weit (rund 1.800 m) tragen. Dagegen kann er nichts tun. Aber im Gegenzug darf der Soldat den Passanten das Gepäck nicht weiter tragen lassen – sonst bekommt er selbst Ärger mit seinem Offizier. Bei einem Seminar sollten die Teilnehmer diese Situation nachspielen – sie erlebten dabei die Ohnmacht der Passanten, die versuchten, sich dem lästige Auftrag zu entziehen. Da schnappte sich plötzlich ein Passant das Gepäck und lief auch noch die zweite Meile – worauf der Soldat hektisch versuchte, ihn aufzuhalten, weil er die eigene Strafe fürchtete.

Wenn wir also eine zweite Meile gehen, ist die Macht des Mächtigen plötzlich infrage gestellt.

Am Ende geht es um die innere Haltung: Streitbar sein, ohne gewalttätig zu werden. Und streitbar können wir erst sein, wenn wir merken, dass Gott selbst uns schützt.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Gottesdienste

Sonntag, 22.12.19

Kein Gottesdienst in der Pfarrkirche; die Kirche ist geöffnet für Stille und Gebet

11.30 Uhr Krippenspielprobe

Dienstag, 24.12.19

16.30 Uhr Familiengottesdienst mit Krippenspiel (Pfrn. Hankel und Team) in der Pfarrkirche

22.00 Uhr Christmette (Pfrn. Hankel) in der Pfarrkirche

Mittwoch, 25.12.19

10.30 Uhr Gottesdienst mit Chor „Frohsinn“ (Pfrn. Hankel) anschl. Abendmahlsfeier, in der Pfarrkirche

Donnerstag, 26.12.19

10.30 Uhr Gottesdienst mit Wunschliedersingen (C.Hankel u. Toni Jung-Hankel ) in der Pfarrkirche

Sonntag, 29.12.19

10.30 Uhr Andacht mit Stille und Gebet in der Pfarrkirche

Dienstag, 31.12.19

17.00 Uhr Altjahresabendgottesdienst (Pfrn. Hankel) mit Projektchor in der Pfarrkirche; anschl. Herzliche Einladung zum Empfang im Gemeindesaal

 

 

Sonntag, 05.01.20

10.30 Uhr Gottesdienst (Pfrn. Hankel) in der Pfarrkirche

Kollekte: Für die Initiative Polen – Deutschland „Zeichen der Hoffnung“

 


Gemeindebüro

Sprechzeiten der Pfarrerin:
Dienstag: 9.30 - 11.00 Uhr
und nach Vereinbarung

Öffnungszeiten des Gemeindebüros:
Di und Fr
9.00 bis 13.00 Uhr

Tel.: (0 60 33) 25 45

E-Mail Kontakt zum Gemeindebüro

Pfarrerin C. Hankel

Pfarrerin Cornelia Hankel


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